So unsichtbar und doch so nah: die Wildkatze

Sie schleichen auf leisen Pfoten durch die Wälder, halten sich fern von allem, was nach menschlichen Behausungen aussieht und suchen das Weite, sobald sich ein Spaziergänger nähert. Doch auch wenn kaum einer von uns sie je zu Gesicht bekommt, leben sie trotzdem mitten unter uns: die Europäischen Wildkatzen. Und sie leben ganz besonders unter uns hier in der Region: In einer vom Landesamt für Umweltschutz in Auftrag gegebenen Studie schreibt das Unternehmen Öko-Log Freilandforschung 2007:

„In Mitteleuropa gibt es nur noch eine Wildkatzenpopulation, die groß genug ist, um langfristig die gesamte genetische Vielfalt zu sichern. Dieses Vorkommen erstreckt sich über Teilflächen der Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und den Südwestzipfel Nordrhein-Westfalens und setzt sich fort in Südostbelgien, Luxemburg und Nordostfrankreich.“

Von Natur aus unzähmbar

Diese Einschätzung hat sich inzwischen etwas relativiert: Erstens sind durch Untersuchungen zuvor unbekannte Wildkatzenvorkommen gefunden worden, zweitens sind die Bestände gewachsen. Durch Jagd, Waldzerstörungen und vermutlich Epidemien war die Europäische Wildkatze zwischen etwa 1800 und 1900 nahezu ausgerottet. Heute geht man wieder von 5000 bis 7000 Exemplaren in ganz Deutschland aus. Dabei existiert neben der hiesigen eine zweite große Population, die sich genetisch deutlich unterscheidet. Sie erstreckt sich in Mitteldeutschland hauptsächlich über Teile Niedersachsens, Thüringens und Hessens (siehe Karte). Den Wildkatzen in Deutschland kommt auch deshalb besondere Bedeutung zu, weil Kreuzungen mit der Hauskatze mit weniger als vier Prozent sehr gering sind.

Unsere Hauskatze – egal wie wild – hat nämlich mit der hiesigen Wildkatze nicht viel zu tun: Sie stammt von der Falbkatze ab, die in Nordafrika, auf der Arabischen Halbinsel und in dem sich anschließenden Gebiet bis zum Kaspischen Meer lebt. Die domestizierte Form gelangte schon in der Antike mit den Römern zu uns. Hätten die Kelten und Germanen versucht, ihre eigene Hauskatze zu züchten, hätten sie wenig Erfolg gehabt: Die Europäische Wildkatze gilt als unzähmbar. Selbst in Gefangenschaft geboren, lässt sie sich ein Leben lang nicht berühren.

Positive Entwicklung der hiesigen Population

Über das Saarland, Rheinland-Pfalz (und jenseits der Karte Teile Frankreichs, Luxemburgs und Belgiens) erstreckt sich die westliche Wildkatzenpopulation. Die zweite, mitteldeutsche schließt sich östlich von Frankfurt an. (© BUND, Stand März 2017)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Saar sammelt zurzeit mit Hilfe von Lockstöcken (aufgeraute, mit einem Lockstoff versehene Stöcke, an denen die Tiere sich reiben) Fellhaarproben. „Es ist zu erwarten, dass die Wildkatze außerhalb der besiedelten Gebiete nahezu überall im Saarland vorkommt“, sagt Projektleiter Dr. Martin Lillig. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sei es hier nicht notwendig, zwischen bewaldeten Gebieten Verbindungskorridore anzulegen: „Wir haben keine Agrarwüsten. Der Wechsel von Offenland und Wald ist im Großen und Ganzen gut strukturiert.“ Notwendig sei hingegen der Bau von Querungsmöglichkeiten an schnell befahrenen Straßen. Sabine Schorr, Pressesprecherin des saarländischen Umweltministeriums, erklärt, solche Hilfen seien vor allem an drei Stellen sinnvoll: An der B 269 an der Landesgrenze im Warndt, an der B 406 im Moselabstieg zwischen Sinz und Nennig und an der B 41 auf der Kuppe zwischen Hirstein und Wolfersweiler. Die AG Entschneidung/ Biotopverbund beschäftige sich unter anderem mit diesem Thema. Inwieweit Querungshilfen realisiert werden könnten, hänge jedoch davon ab, wie viele Mittel der Bund bereitstelle, da die Bundesstraßen und Autobahnen unter seine Zuständigkeit fielen.

Bei der Stichprobenanalyse arbeitet das Ministerium übrigens mit dem BUND zusammen. Insgesamt sieht Schorr die Situation unserer Wildkatze in einer positiven Entwicklung: „Die Stürme der 1990er Jahre kamen ihr sehr zugute und unser Eindruck ist, dass auch die Jäger der Wildkatze gegenüber freundlicher gesinnt sind.“

Mehr Interessantes über die Wildkatze gibt es im aktuellen Sonah Magazin (erhältlich im Zeitschriftenhandel). Infos unter

1 Kommentar
  1. Christian sagt:

    Gestern 13.03.2018 ist vor mir auf der B269 Neu eine Wildkatze vor mir über die Fahrbahn. Zum Glück rechtzeitig gesehen und gebremst.
    Wusste bisher gar nicht dass es die hier gibt.
    Interessanter Artikel.

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