Wer ist eigentlich Paul? Und was will er bloß im Saarland?

Von einem, der in Berlin alles aufgab, um ins Saarland zu ziehen

„Paul findet meinen Busen zu klein … und meinen Bauch zu dick … und meinen Hintern. Ich aber finde mich extrem ok! – Paul? Wer ist eigentlich Paul?“. So der Wortlaut eines Werbespots aus dem Jahr 2000 des Spezialisten für fettreduzierte Wurstwaren „Du darfst“. Vor 17 Jahren waren derart plumpe Werbeansprachen noch hip.

Zu diesem Zeitpunkt war Paul Pelke, mit dem ich mich neulich nachmittags sehr nett unterhalten habe, gerade mal neun Jahre alt und interessierte sich weder für große Brüste, noch für flache Bäuche. „Extrem ok“ fand er allenfalls Wurstwaren, aber dann doch bitte die schön fetthaltigen, würzigen Varianten aus seiner Heimat, dem Hunsrück. Ich will herausfinden, wie Paul von dort über Berlin hierher ins Saarland gekommen ist und wie es ihm gefällt.

Paul

Ausbildung in der großen Stadt

„Mit 20 habe ich beschlossen, den Absprung zu wagen und mich für eine Hotelfachlehre in Berlin zu bewerben.“, erzählt Paul. „Es war die Offenheit der Menschen, die Kulturen, die dort aufeinanderprallen, die mich fasziniert haben, die leichte Anarchie auch viele Jahre nach dem Mauerfall,“ ergänzt er in seiner ruhigen, sympathischen Art. Zunächst lief auch alles wie geplant: „Ich habe meine Ausbildung zum Hotelfachmann erfolgreich absolviert, in verschiedenen Stadtvierteln in WGs und kleinen Apartments gelebt, das Nachtleben genossen“ – eben, was man als normaler Twen so anstellt. Dann kam der Job im Hotel. „Ich habe dort schnell viel Verantwortung übernommen und ebenso schnell festgestellt, dass der Beruf in meinen Augen nicht sehr menschenfreundlich ist“. Man nimmt ihm das sofort ab, das sind keine Phrasen, die der nette junge Mann mit gepflegtem Vollbart und Fliege von sich gibt, das meint er ernst. Was hat er also mit dieser Erkenntnis angefangen?

Das Schicksal ruft ins Saarland

Von einen Tag auf den anderen stellte er seine komplette Existenz infrage: „Für mich war klar, dass ich in dieser Konstellation nicht glücklich werden kann.“ Der entscheidende Wink des Schicksals kam ihm zu Hilfe und zwang ihn quasi zum Handeln: „Meine Freundin Magdalena wollte in Lebach eine Ausbildung zur Physiotherapeutin machen und hat sich dorthin beworben. So habe ich dann überhaupt erst mal die Existenz des Saarlands bewusst wahrgenommen,“ lacht er. Nach einer Wartezeit auf einen der begehrten Ausbildungsplätze kam im September letztes Jahr die Zusage. „Dann ging alles Schlag auf Schlag“, erzählt Paul. „Für mich stand fest, dass ich mit ihr ins Saarland gehe. Wir haben eine Wohnung gesucht, gefunden und in wenigen Tagen die Umzugskisten sowie unseren Hund eingepackt.“

Das klingt schon fast wie eine Flucht. War es das?

Der Ton macht die Musik

„Nein, das war es nicht. Es musste zwar schnell gehen, aber der Umzug nach Lebach bzw. ins Saarland fühlte sich vom ersten Moment richtig an. Dieses Gefühl zog sich dann auch durch die erste Zugfahrt zur Arbeit, den ersten Arbeitstag und besteht bis heute. Vom ersten Tag an fühlte es sich gut und routiniert an.“ widerspricht mir Paul und erklärt mir dann weiter: „Berlin ist eine unglaublich aufregende, abwechslungsreiche Stadt und wir haben dort gern gelebt. Ich hatte mich an die Mentalität der Berliner gewöhnt, denn die berühmt-berüchtigte Berliner Schnauze muss man erstmal abkönnen. Auch das permanente, selbstverständliche Duzen in allen Bereichen – sogar im Hotel – war kein Problem für mich. Aber nachdem ich mich entschieden hatte, nicht in diesem Beruf zu arbeiten, mit Magdalena umzuziehen und noch einmal ganz von vorne anzufangen, da wurde mir erst so richtig bewusst, wie hektisch und anstrengend Berlin eigentlich war. „Ich hatte schon fast alles einmal getanzt, war in den Clubs gewesen, hatte viel gesehen und erlebt.“

IT-Branche im Saarland als Chance

So kam Paul also von Berlin nach Saarbrücken. Dann bleibt mir nur noch die Frage, womit Paul denn seinen Lebensunterhalt in der neuen Heimat bestreiten will? „Ich habe mich immer schon gerne mit Computern beschäftigt, für Nachbarn und Freunde PCs repariert und neu aufgesetzt. Warum also nicht ein Job in der IT-Branche?“ Chapeau! Eine zweite Ausbildung? „Ja! Ich mache mein Hobby zum Beruf. Meine Familie unterstützt mich darin und dafür bin ich sehr dankbar.“

Team Data One

Freiräume für Kreativität und tolle Kollegen

Die Suche nach einer Ausbildungsstelle lief dann ähnlich unaufgeregt und zügig wie der Umzug von der Spree an die Saar. Bei Data One (mittelständisches Beratungs- und Entwicklungshaus, spezialisiert auf Digitale Transformation; Standorte in Saarbrücken, Zürich und Luxemburg, 100+ Mitarbeiter) fand Paul einen Ausbildungsplatz zum Fachinformatiker für Systemintegration. „Dort hat vom ersten Moment an alles gepasst, ich fühlte mich auf Anhieb wohl. Data One ist wie eine große Familie, jeder hilft jedem und wir arbeiten in einer sehr lockeren Atmosphäre. Meine Kollegen sind kompetent, höflich, witzig und stets hilfsbereit. Meine Arbeit ist kein Vergleich zum Hotel-Job – die Umgangsformen entsprechen voll meinem Verständnis eines respektvollen Miteinanders. Jeder wird so akzeptiert, wie er ist, und erhält so Freiraum für Kreativität,“ schwärmt der Auszubildende.

Die perfekte Mischung gefunden

Auch privat haben Paul, Magdalena und Mischlingshündin Luna schnell Anschluss gefunden. „Die Leute sind hier sehr offen und herzlich, sie siezen einen erst Mal (lacht) und sind sehr lebenslustig. Das gefällt mir, diese Mischung aus Savoir vivre, Bodenständigkeit und Freundlichkeit.“ Über Magdalenas Schule in Lebach haben die beiden schon einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, treffen sich zum Essen und Ausgehen, lernen das Saarland kennen und Hündin Luna trägt ihren Teil als Kontaktvermittlerin beim Gassigehen bei.

Magdalena

Work-Life-Balance made in Saarland

Das klingt doch eher nach gesetztem Mittelstand kurz vor der Midlife-Crisis, als nach wilden Endzwanzigern, die ihren Weg noch suchen? Paul grinst. „Das ist eine Frage des Charakters und der Vorstellung, die jeder vom Leben hat. Was in den Medien und sozialen Netzen als hip tituliert wird, muss ja nicht dem persönlichen Lebensentwurf entsprechen.“ Mit dem Hund spazieren gehen, die Natur im Saarland genießen, Freude am Job haben und einfach entschleunigen – für Paul der richtige Weg.

Du auch neu im Saarland?

Paul und ich, wir sind beide im Saarland angekommen, und es ist mir inzwischen klar, dass es noch eine ganze Menge mehr von „uns glücklich Zugezogenen“ gibt. Wer wird mir als nächstes seine Geschichte erzählen?

Nutzt das Kontaktformular und schickt mir eine Nachricht mit Eurer ganz persönlichen Saarland-Geschichte. Ich freue mich auf Euch!

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